Geschichte der Volksschule Mureck

200 Jahre Volksschule Mureck

 

Zweihundert Jahre Schule in Mureck? Oder darfs ein bisserl mehr sein? Ja, es darf. Nach Recherchen von Dr. Hans Ponstingl (in den Ratsprotokollen und Dokumenten des Marktes Mureck) wird bereits vor über 400 Jahren, im Jahr 1600, ein Schulmeister genannt. Die Schule selbst dürfte nach Ponstingl im Nell-Haus (heute Grazerstraße 20, neben der heutigen Volksschule) untergebracht gewesen sein. Die Schulaufsicht besorgten sogenannte Visitatoren als Organe des Marktes.

Daneben gab es in Mureck auch „Winkelschulen“, die von nicht autorisierten Personen geführt wurden und im Jahr 1663 per Verordnung des Grundherrn Wolfgang von Stubenberg verboten wurden. Trotzdem gibt es aus dem Jahr 1739 einen Ratsbeschluss, der dem Sattler Adam Leeb das „Schulhalten“ untersagte und ihm empfahl, „sich auf seine Profession zu beschränken“. Ponstingl fand in den Ratsprotokollen manche Unstimmigkeiten zwischen Rat und Schulmeistern, die vor allem deren Besoldung und Arbeit betrafen. Weiters wird im Jahr 1615 bemängelt, dass der Schulmeister mit dem Holz, das die Kinder zum Beheizen der Schulräume mitbringen mussten, die eigene Wohnung heizte! Ein anderer kassierte im Jahr 1740 von den Kindern 30 Kreuzer „Holzgeld“ statt der erlaubten 15 Kreuzer.

Die Gemeinden waren als Schulerhalter ständig gefordert bzw. auch überfordert und so wurde die Zeit reif für eine übergeordnete Regelung des Schulwesens: „Die Anfänge des staatlichen Schulwesens in Österreich gehen auf die Schulreform von 1774 unter Maria Theresia (öffentliche Staatsschule, sechsjährige Schulpflicht) zurück“(BMBWF, Stand: 12.07.2019). Ihr Sohn und Nachfolger Kaiser Joseph der II. führte eine Fülle von Reformen durch, die auch das Schulwesen betrafen.

Eine „Allgemeine Schulordnung“ (K.K. 1785, S. 332) für die deutschen Haupt,- Normal- und Trivialschulen wurde verordnet, die detailliert die Organisation und den Betrieb des Schulwesens festlegte. Ebenso wurde die pädagogische Qualifikation der Lehrkräfte vorgeschrieben: „Alle seit 1775 angestellten Lehrer sollen sich um die Kommissionsdekrete bestreben; denn sonst würden die von der Kommission nicht bestätigten Lehrer bei ihrem Amte nicht mehr geduldet werden“ (K.K. 1785, S. 343). Die Kinder hatten dem Unterricht aufmerksam zu folgen. Bei Fehlverhalten gab es einen Eintrag in das „Schwarze Buch“, bei Strafverschärfung „eine Stunde an dem Orte der Schande stehen“ oder gar die Züchtigung „mit der Ruthe“ (K.K. 1785, S. 367).

Wo sich noch keine Schulen befanden, waren neue zu errichten. Die Kosten hatten die Gemeinden und Herrschaften gemeinsam zu tragen (K.K. 1785, S. 332, Z. 3). Es wurden auch Schulvisitatoren eingesetzt, die die Errichtung und Vergrößerung der Schulgebäude zu überwachen hatten (K.K. 1785, S. 343). Die neuen Regelungen machten es offensichtlich auch in Mureck notwendig, für eine solide Unterbringung der Schule und einen markanten Neustart zu sorgen:

„Im Jahr 1819 wurde das abgebrannte Bürgerhaus Nr. 22 in ein Schulhaus für 3 Klassen umgebaut. Die Schule wird 1879 5-klassig“ (F. Kreisler, 1999, S. 32). Heute steht dort die Energielaterne bzw. Verkehrsinsel am Anfang der Bahnhofstraße nördlich der Sparkasse. Die heutige imposante Volksschule wurde 1884 gebaut und schließlich am 5. November 1885 feierlich eingeweiht.

In der Geschichte Murecks hatte und hat das Schulwesen einen hohen Stellenwert. Die Früchte dieser Arbeit zeigen sich in einer Reihe von Persönlichkeiten, die der Murecker Dichter Julius Franz Schütz als „eine […] durch Musik und Dichtung geweihte Generation von Professoren und Lehrern“(Schütz, o. J.) beschreibt, die in der Steiermark und auch international Beachtung finden. Zu ihnen gehören der Heimatforscher Johann Krautgasser, der Historiker Otto Lamprecht, der Pflanzenphysiologe Herbert Lamprecht, der Komponist Sepp Amschl, der Dichter und Wissenschaftler Julius Franz Schütz, die Dichter Julius Zerzer und Hans Ponstingl, der Bildhauer Karl Kulmitsch, aus Brunnsee (heute Teil der Stadt Mureck) stammend der langjährige ehem. Rektor der Musikuniversität Graz Otto Kolleritsch und dessen Bruder, der Schriftsteller, Lyriker und Philosoph sowie Mitbegründer und Präsident des Forum Stadtpark Alfred Kolleritsch, der ehem. Rektor der Montanuniversität Leoben Franz Platzer, die Landesschulinspektorin Emma Cerino, der ehem. Präsident des Oberlandesgerichtes Graz Walter Wolf, der ehem. ORF-Unterhaltungschef Dieter Dorner und viele andere (Kreisler, 1991, S. 24.).

Die Volksschule Mureck, die 1819 ihr eigenes, neues Domizil bekam, bildet bis heute das tragfähige Fundament der Schulstadt Mureck.

(Verfasst von: Prof. Mag. Dr. Walter Rehorska, am 15. Juli 2019)

 

Literatur:

BMBWF (2019). Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung, Minoritenplatz 5, A-1010 Wien, https://bildung.bmbwf.gv.at/schulen/bw/ueberblick/sw_oest.html

K.K. (1785). Handbuch aller K.K. Gesetze, Erster Band. Verlegt bei Joh. Georg. Moesle, K.K. privil. Buchhändler. Wien, 1785. S. 332 ff.

Kreisler, Felix (1991). Murecker Persönlichkeiten – im Dienste unserer Heimat. Artikel in: Murecker Kontakte, Nr. 26/Juni 1991.

Kreisler, Felix (1999). Vor 180 Jahren erstes Schulhaus in Mureck. Artikel in: Murecker Kontakte, 4/1999, S. 32.

Ponstingl, Hans Dr. (o. J.). Manuskript ohne Jahresangabe, Titel: “Schulwesen in Mureck“ (Sammlung Felix Kreisler).

Schütz, Julius Franz (o. J.). Otto Lamprecht, dem Sechziger. Sonderdruck aus „Blätter für Heimatkunde“, 32. Jahrgang, Heft 2. Druck Styria, Graz.

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